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Berichte

11.07.2006 Alter: 11 Jahre Besuch beim Rushbrook Croquet Club

VON: IRIS STADIE

Krocketuhren in Süd-Irland ticken etwas anders



Im Juni reisten Meinolf und ich nach Süd-Irland – natürlich nicht, ohne uns vorher über die Möglichkeit vor Ort zu erkundigen, Krocket zu spielen und ein paar irische Spieler kennen zu lernen. Am sonnigen Pfingstsonntag kurvten wir durch Cobh (ausgesprochen Kof) bei Cork an der Südküste Irlands auf der Suche nach dem dortigen Rushbrook Croquet and Lawn Tennis  Club. Wir fragten ein paar Passanten nach dem Weg und machten die erstaunliche Erfahrung, dass Krocket in Irland wohl ein ähnliches Schattendasein führt wie in Deutschland. Zum Glück wird in dem Club auch Lawn-Tennis gespielt, so konnte man uns den Weg beschreiben. Direkt gegenüber der Kirche wurden wir fündig.
Im Club herrschte gähnende Leere, wir trafen nur drei Clubmitglieder an. Aber, wenn Engel  reisen haben sie Glück – einer von Ihnen war Frank McDonnell, Chairman der Krocketsparte des Clubs. Wir wurden sehr herzlich, aber doch einigermaßen überrascht begrüßt. Er lud uns für Pfingstmontag am Nachmittag ein, mit ihm und ein paar anderen das Mallet zu schwingen.
Das passt prima in unseren Zeitplan. Nachdem wir in Cobh das Emigranten-Museum am ehemaligen Transatlantik-Hafen besichtigt hatten (von Cobh, früher Queenstown, emigrierten im 18. und 19. Jahrhundert Hundertausende von Iren, Engländern und anderen Europäer, nach Nord- und Südamerika sowie nach Australien) fuhren wir zum Club. Der Club verfügt über zwei Courts, die annähernd Fullsize-Größe haben. Der Rasen, gespickt mit hunderten von Gänseblümchen (Daises), erinnerte mich stark an die Rissener Plätze, wenn wieder einmal der Mäher kaputt ist. Frank entschuldigte sich hundertmal, dass der Rasen nicht gemäht sei, es sei halt Pfingsten und der Platzwart habe frei. Dafür hatten wir natürlich Verständnis.
Im Doppel spielten wir los, wobei nicht etwa bei sieben Punkten Schluss war und neu begonnen wurde, sondern wir bis 21 Punkten oder so weiter spielten. Das Tor 1 wurde dabei auffällig oft ausgelassen, wie Meinolf verwundert feststellte. In Cobh ticken die Croquet-Uhren eben etwas anders. Frank knöpfte wohl nur anlässlich des deutschen Damenbesuchs auf dem Court sein Hemd zu. Die Schläger erinnerten an die Jacques-Grundausstattung für Gartenkrocket und die Tore waren auffällig weit gesteckt.
Später gesellte sich zu den vier jüngeren Spielern (ab Mitte 30) auch die ältere Generation von vier Croquet-Ladies (ab 70) von Cobh. Seit Jahren spielt man im Rushbrooker Club nur unter sich, führt auch kleine Clubturniere durch, Kontakt zu den anderen Clubs im Lande aber gibt es kaum. Kein Rushbrooker hat je an einem nationalen irischen geschweige denn an einen internationalen Turnier teilgenommen – und wird dies wohl auch in Zukunft nicht tun. Auf unsere Einladung nach Deutschland ernteten wir ein freundliches Schmunzeln. Nur eines zeichnet den Club in Cobh aus: Collin Irwin hat dort vor einigen Jahren ein paar mal gespielt.

Ganz sicher fahren wir wieder nach Irland… ein Besuch der Krocket Clubs in und bei Dublin ist aber sicher lohnender als im Rushbrook Croquet Club bei Cobh.