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Ursprünge des Spieles

"Der Kolfspieler" Rembrand 1654

Croquet – Krocket: Kurze Geschichte

Häufig beginnt die Geschichte des Krocket (Croquet) mit der Tätigkeit der französischen Emigrantenfamilie Jaques in London, die als Elfenbeindreher um 1850 begann, die englischen Landbesitzer mit Kugeln zum Spiel auf den reichlich vorhandenen Rasen auszustatten und damit Abwechslung in das eintönige Landleben brachte. Sie gründeten die erste Firma für die Herstellung von Sportgeräten, die auch noch heute führend ist. Entsprechend der englischen Gewohnheit der Aussprache französischer Worte wurde aus „Jaques“ [„Jakes“].

Die Geschichte der Spiele mit Bällen reicht lange in die Geschichte der Menschheit zurück. In Mitteleuropa ist das Spiel erstmals in der Renaissance um 1500 belegt, es erhielt den italienischen Namen „pallamaglio“, abgeleitet von den lateinischen Worten „palla“ für Ball und maglio für Hammer. Das Oxford Lexikon gibt die Definition von „Pall Mall“ als Spiel des 16. und 17. Jahrhunderts, bei dem eine Kugel aus  Buchsbaumholz durch einen Reifen aus Eisen getrieben wird, der am Ende einer langen Allee eingesteckt ist. Daher rührt heute noch die englische Bezeichnung „hoop“ für das Tor.

König James I (1603-1625) riet seinem Sohn, Pall Mall zu spielen. König Charles II (1649-1685) brachte aus dem französischen Exil das Spiel mit, für das er durch den französischen Gärtner Le Notre in London eine Spielbahn für Pall Mall einrichten ließ, die als Straßennamen heute noch existiert. Dort ließ er sich von seinen Untertanen beim Spielen bewundern. Der Begriff „Mall“ ist davon abgeleitet und vor allem in den USA gebräuchlich. Im 18. Jahrhundert wurde Pall Mall an den Höfen Mitteleuropas eifrig gespielt. Erhalten sind die Anlagen am sächsischen Schloss Pillnitz an der Elbe, wo der König von Polen, August der Starke, 1725 Pall Mall-Bahnen anlegte und sein Sohn bei der Erweiterung des Parks auch die Spielbahnen vergrößerte.

In der Kunst findet man dementsprechend Darstellungen von Spielern, die man heute als Krocketspieler bezeichnen kann. Rembrandt nannte 1654 eine Radierung „Der Kolfspieler“, auf dem die Spieler in einer durch Bretter eingefassten Bahn den Schläger typisch halten. In dem Buch von Comenius „Orbis sensualium pictus“ von 1659, aus dem Goethe noch gelernt hat, sind Krocketspieler abgebildet. „Die Knaben spielen … mit Kügelen mit der Keule schlagend durch den Ring…“.

Wir fanden in einem Katalog des Antiquariats Rumbler aus Frankfurt am Main (Katalog 41 von 2007) eine Abbildung, die mit Erlaubnis von Herrn Rumbler hier wiedergegeben wird. Der Künstler, von dem der Entwurf stammt, ist unbekannt, jedoch geht die Darstellung auf P. Breughel zurück, der mit der teilweise sehr drastischen Darstellung eine eigene Kategorie „Bauernkirmes“ begründet hat. Der Verleger unseres Stiches, der von der Zeit um 1565//70 stammt, war Johann Baptist Vrints von Antwerpen. Das Bild ist bezeichnet als „St. Sebastian Kirmes“ und geht auf die Umgebung von Antwerpen zurück, von dem P. Breugel eine Darstellung aus Hoboken bei Antwerpen hinterlassen hat.

Bei dieser Grafik ist der kirchliche Anlass nur im Hintergrund zu erkennen, das Bild wird ausgefüllt mit vielen Szenen eines ländlichen Festes mit Marktständen, einem Taschendieb und allerlei Volksbelustigungen. An der einen Seite ist ein Gasthaus dargestellt, vor dem üppig gefeiert wird. Vor der gegenüberliegenden Wirtschaft fällt eine Gruppe von Spielern auf, die wir heute als Krocketspielern bezeichnen können. In einem mit Brettern begrenzten Spielfeld schlagen 2 Spieler mit Schlägern mit langen Stielen Kugeln durch einen in den Sand gesteckten Reifen. Der Wirt hat als Emblem ein Schild für das jährlich wiederkehrende Fest angebracht, auf dem symbolisch der Reifen zu erkennen ist, das wir als typisch für Krocket bezeichnen wollen.

Hans Renschler, Krocketfreunde Bonn beim HTC Bonn Ippendorf. 23. Juni 2009.

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