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11.02.2007 Alter: 11 Jahre Rasen und seine Nutzung im Winter

VON: MARTIN BOCKSCH

Zierrasenflächen sollen das ganze Jahr über schön aussehen. Sportrasen sollen möglichst lange nutzbar sein. Meist werden sie wenn möglich ganzjährig genutzt. Also auch im Winter. Ohne das Betreten der Gräser geht das aber nicht.

Rasen nicht betreten!

Bilder von Martin Boksch

Schneeschimmel

Schneeschimmel

Frostschaden

Frostschaden

Die Rasengräser unserer Breiten sind in der Lage während des Winters Frost zu ertragen. Das ermöglicht aber nicht die uneingeschränkte Nutzung der Rasenflächen im Winter. Vielfältige und oft langwierige Schäden an den Gräsern und dem Boden können die Folge sein.



Gräser im Winter
Für die Gräser gehen von Frost und Schnee verschiedene Gefahren aus.

Zellschäden
Zunächst wird Kälte als Reif auf den Blättern sichtbar. Rauhreif ist die Bildung extrazellulärer Eiskristalle und mit dem Entzug von Wasser aus den Pflanzen verbunden. Bei weiteren Minusgraden gefriert das Wasser in und zwischen den Pflanzenzellen und auch im Boden. Durch die Eiskristalle können die Zellwände beschädigt werden. Wenn Pflanzenteile in diesem gefrorenen Zustand betreten werden, brechen Blätter und Halme regelrecht ab und der Zelltod tritt ein. Insbesondere häufiger und kürzer geschnittene Rasen, z.B. Zier- und Sportrasen, sind davon betroffen, da die Blätter jünger und wasserreicher sind.

Austrocknung

Neben dem Entzug von Wasser bei der Reifbildung spielt die Verdunstung eine wichtige Rolle. Insbesondere bei längeren Frostperioden mit gefrorenem Boden und trockenem Wind oder starker Sonneneinstrahlung. Die oberirdischen Pflanzenteile fangen an Wasser zu transpirieren, zu verdunsten, im gefrorenen Boden können die Wurzeln jedoch kein neues Wasser aufnehmen. Das Wasserdefizit kann nicht ersetzt werden. Die Gräser vertrocknen.

Schnee und Eis

In Regionen oder Jahren mit länger anhaltenden Schneelagen kann es zur Bildung von Eisschichten kommen. Durch das Eis wird der Gasaustausch verhindert, wodurch die Gräser geschädigt werden. Aber auch der Schnee selbst, insbesondere wenn er betreten wird, kann zu Schäden führen. Der Schnee wird zusammengepresst und Krankheiten können unter dem Schnee entstehen. Der Grad der Schädigung hängt aber stark von der Schneehöhe und seiner Konsistenz ab.

Krankheiten
Sowohl Schnee und Eis, als auch Beschädigungen der Zellstruktur erhöht die Gefahr von pilzlichen Infektionen. Insbesondere bei ungefrorenem Boden. Dabei spielen Schneeschimmel (Michrodochium nivale) und „Fäulniserkrankungen“ (Typhula incarnata) die größte Rolle. Unter diesen Bedingungen und bei hohem Befallsdruck ist die manuelle Beseitigung oder das Abtauen des Schnees, insbesondere auf kleineren Flächen in Erwägung zu ziehen. Letzteres kann, besonders zu Ende des Winters, durch das bestreuen der Schneedecke mit dunklen Stoffen (z.B. Torf, Asche oder gekörnter Kalkstickstoff) gefördert werden.

Winterhärte und Regenerationsvermögen der Rasengräser

Untersuchungen haben für die Jährige Rispe (Poa annua), das Ausdauernde Weidelgras (Lolium perenne) und den Rohrschwingel (Festuca arundinacea) eine höhere Frostempfindlichkeit gezeigt. Dadurch ist auch das Regenerationsvermögen dieser Arten geschwächt.
Toleranter sind Flechtstraußgras (Agrostis stolonifera), Wiesenrispe (Poa pratensis) und das Wiesenlieschgras (Phleum pratense), aber auch das Gemeine Rispengras (Poa trivialis).


Förderung der Widerstandsfähigkeit
Während der Vorbereitung der Pflanze auf Temperaturen unter Null Grad Celsius, dem so genannten „Aufbau der Winterhärte“, spielt vor allem die Einlagerung von „Reservestoffen“ (Kohlehydrate und Salze) eine wichtige Rolle. Dadurch wird die Zellsaftkonzentration in der Pflanze erhöht, was zu einer Absenkung des Gefrierpunkts führt. Die Pflanze wird frosttoleranter. Professionelle Rasenpfleger, aber auch normale Rasenbesitzer, haben die Möglichkeit durch eine ausgewogene Nährstoffversorgung im Herbst, insbesondere von Kalium (K), darauf Einfluß zu nehmen. Durch eine ausreichende Stickstoff- (N) versorgung wird die Photosyntheseleistung im lichtschwächeren Herbst verbessert und es können mehr Kohlehydrate gebildet und eingelagert werden.


Kalium fördert diese Kohlehydratsynthese, verbessert die Zellwandbildung und beeinflusst die Steuerung der Transpirationsrate positiv.


Was wäre wenn?
Ganzjährige Nutzung von Rasenflächen, macht eine wesentlich intensivere Pflege in Bezug auf  bodenmechanische Maßnahmen, Düngung, Krankheitsprophylaxe und Nachsaat notwendig.


Wie geschildert brechen die gefrorenen Pflanzen bei Betritt buchstäblich ab, da sie nicht mehr elastisch sind. Da Rasengräser erst ab ca. 6°C wachsen, können Verletzungen daran in den Wintermonaten nicht verwachsen. Bis weit ins Frühjahr sind dann an diesen Stellen blassgelbe Spuren sichtbar.
Außerdem entstehen neben Bodenverdichtungen, Pflanzenschäden und Krankheiten natürlich auch alle anderen sport- und nutzungstypischen Schäden. Insbesondere in der Auftauphase. Ihre Bearbeitung oder Beseitigung ist im Winter nicht möglich. Die Rasenflächen werden sich im Frühjahr erst später davon erholen. Algen und Moose gedeihen jedoch bevorzugt auf verdichteten, feuchten Böden, auch während der kalten Jahreszeit. Die breiten sich ungehindert aus.


Was ist zu beachten?
Es sollte nach Möglichkeit auf das Betreten oder Befahren von Rasenflächen im gefrorenen Zustand grundsätzlich verzichtet werden. Das gilt für Rauhreif wie Frost.


Rauhreif macht besonders in den Morgenstunden Rasenflächen anfällig.
Das erfordert in den Übergangszeiten im Spätherbst und im zeitigen Frühjahr ein besonderes Verständnis aller. Aufklärung, Erläuterungen an Info-Wänden tragen dazu bei das Verständnis zu wecken. Ein Aushang könnte lauten: „Das Betreten der Rasenfläche bei Frost zerstört Pflanzengewebe. Folgeschäden verschlimmern die Situation. Die Erholung der Gräser kann Wochen dauern und Regenerationsmaßnahmen das Sperren des Platzes im Frühjahr erforderlich machen. Dagegen sorgt eine Verschiebung oder Verlegung der Nutzung bei Frost, für die Erhaltung der ebenen, gesunden Spielfläche!“.

Sachverstand und die gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten helfen diese kritische Zeit zu überstehen.


Fazit
Rasengräser können im Winter leicht Schaden nehmen. Eine Regeneration dieser Schäden ist nicht möglich. Krankheiten und Algenbefall können die Situation verschlimmern. Die Verzögerung von schönen Rasenflächen und guten Spielbedingungen im Frühjahr ist die Folge. Eine Verlegung oder Verschiebung der Nutzung tragen dazu bei im Winter Schäden an der empfindlichen Rasenfläche zu vermeiden. Auch das Einschleppen von Krankheitserregern kann so minimiert werden. Einem gelungenen Start in die Rasensaison mit einem gesunden, dichten und schönen Rasen steht damit nichts mehr im Wege.


Martin Bocksch, Eltville am RheinQuellen:Stegmann, Andreas; „Wintergrüns – pro und contra“; Greenkeepers Journal 4 / 97Graf Beissel von Gymnich, Hubertus; „Wintergrüns schonen Puttflächen“ Greenkeepers Journal 4 / 98Büker, Rainer; „Wintergreens?“; Greenkeepers Journal 1 / 99Dr. Müller-Beck, Klaus; “Golf-Winterspielbetrieb: Auswirkungen auf Gräser”; Greenkeepers Journal 4 / 99Interview mit Dr. G. HardtDGV-Info „Winterspielbetrieb“; November 2000Homepage www.rasengesellschaft.de/Rasen-Themen/01-2001 „Rasen unter Winterbedingungen“

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